Profitest in Reisemobil International 4/99:
Mit freundlicher Genehmigung
der DoldeMedien Verlag GmbH Stuttgart
Das gelbe vom Ei
Knallgelb, 4,84 Meter kurz und 75.000 Mark teuer - so stellt sich der CS Amigo unseren Profis, die wissen wollen, was in einem so kompakten Reisemobil alles möglich ist.
 Seit 1985 baut Claus-D. Oltmanns in Hamburg Kastenwagen zu
kundenbezogenen, komfortablen Reisemobilen um. In letzter Zeit haben
sich seine Kunden überwiegend für den Sprinter als Basisfahrzeug
entschieden; entweder für sein Modell Korsika im Sprinter mit mittlerem
Radstand oder, als Alternative seit dem letztjährigen Caravan Salon, für
den Amigo, den er auf dem kurzen Radstand realisiert.
Ganz scharf waren unsere Profis darauf, zu entdecken, wie Oltmanns es
mit dem Amigo schafft, aus dem nur 4,84 Meter langen Kastenwagen ein
komplett ausgestattetes Reisemobil mit festem Dach-Klappbett,
Vierersitzgruppe - wenn auch unter Einbeziehung der Fahrerhaussitze -
Küche mit ausgelagertem Kühlschrank sowie Nasszelle mit Waschtisch,
Cassetten-Toilette und Dusche quer im Heck zu realisieren.
"Viel habe ich bei diesem Reisemobil ja nicht zu tun" flachst Rudi
Stahl, unser Profi für die Fahrzeugtechnik, "denn bis auf die
aufgesetzte Dachschale, die eingesetzten Fenster und ein paar
Außenwand-Durchbrüche ist ja alles Sprinter-Standard."
Folgerichtig widmet er sich diesen Details. Dabei hat es ihm besonders
das aufgesetzte SCA-Hochdach angetan. "Es fällt fast nicht auf, aber
dieses Dach ist um einiges niedriger als dasjenige, das SCA für den
Sprinter mit mittlerem Radstand baut", bemerkt er mit geschultem Blick,
"toll, wie das Dach - noch dazu, weil es in Wagenfarbe lackiert ist - zu
dem kompakten Mobil passt.".Nicht so gut gefallen hat Stahl die breiten
schwarzen Dichtnähte rechts und links oberhalb der Windschutzscheibe
zwischen Dach und Karosserie. "Ich weiß, dass diese Stelle beim Sprinter
schwer dicht zu kriegen ist", räumt er ein "aber könnte mir vorstellen,
die Dichtnähte durch ein auflackiertes, schwarzes Band quer über der
Scheibe optisch zu kaschieren."
Voll zufrieden ist Stahl mit dem Einbau und der Abdichtung der
Ausstellfenster sowie der Außensteckdose, des Wasser-Einfüllstutzens und
des Heizungskamins. "Sauber gemacht", lobt er die Hamburger, "die haben
aus diesem Fahrzeug rausgeholt, was ging."
 Ein zweckbestimmter, fast ein bisschen nüchterner Ausbau, dessen
überwiegend graue Farbtöne sehr schön mit den Bucheholzkanten
harmonieren. Angenehm, das sich das Braun des Holzes als
Farbtupfer im Polsterstoff wiederfindet", schildert unser Profi
für den Innenausbau, Schreinermeister Alfred Kiess, seinen
ersten Eindruck vom Amigo.
Im Detail lobt Kiess die aufwendige handwerkliche Arbeit, die
wegen der Bucheholzkanten notwendig ist. "Die Massivholzkanten
der Möbelklappen im Wohnbereich sind sehr schön abgerundet",
sagt er anerkennend, "die Kanten sind sogar ausgenutet. Da haben
sich die Schreiner richtig Mühe gegeben. Auch wenn manchmal die
Gehrungen nicht ganz eben überlaufen."
Im Großen und Ganzen zufrieden ist Kiess auch mit den
U-Bootmöbeln, so genant wegen ihrer runden Fronten mit
eingenuteten PVC-Umleimern, mit denen CS die Nasszelle möbliert.
"Die Möbel sind ebenso wie im Wohnraum sauber an die gewölbten
Seitenwände des Sprinter-Kastenwagens angepasst und durch
kräftige Silikonfugen abgedichtet", urteilt er, "allerdings
stehen die an den geraden Möbelteilen verlaufenden PVC-Profile
auf beiden Seiten leicht über. Das gefällt mir nicht so gut."
"Raffiniert gemacht" findet Kiess die zweiteilige Flügeltür, die
den Hygiene- vom Wohnraum trennt. "Sie hält nicht nur Gerüche
besser vom Wohnraum ab", resümiert er "sie wird zudem während
der Fahrt, sowohl offen als auch geschlossen, durch Reibriegel
so fest gehalten, dass sie nicht scheppern kann. Das ist prima
gemacht."
Die klappersichere Befestigung lobt Kiess auch noch beim vorn am
Küchentisch angeschlagenen Klapptisch und beim von
Gasdruckfedern gehaltenen Dachbett. Beide lassen sich
Ruheposition mit Klemmriegeln fixieren. "Eine gute Lösung, an
der man die große, praktische Erfahrung des Herstellers
erkennt", meint Kiess."Erstaunlich, was in diesem kleinen
Reisemobil alles untergebracht ist", wundert sich Monika
Schumacher, unser Profi für die Wohnqualität. "Es ist alles da,
was man braucht; wenn auch zum Teil im Miniaturformat, wie zum
Beispiel die Besteckschublade, in der wirklich nur Besteck aber
sicher keine Kochgerätschaften Platz haben."
Besonders beeindruckt ist Frau Schumacher davon, wie geschickt
CS die Raumaufteilung in dem kompakten Reisemobil "hingekriegt"
hat. "Obwohl das Dachbett tiefer als in anderen
Sprinter-Reisemobilen hängt, gibt es darunter auf der Sitzbank
kein Gefühl der Enge. Der große Kühlschrank ist halbhoch in
einem Schrank untergebracht, der gegenüber dem Küchenblock auf
dem gemeinsamen Podest steht, und die offene Tür der Nasszelle
gibt den Blick bis zu den Hecktüren frei", zählt sie auf, "das
gibt dem Innenraum mehr Größe."
Nicht so zufrieden ist Frau Schumacher mit dem Stauraumangebot.
"Durch das tief eingebaute Bett entfallen die offenen
Staufächer, die sonst in ausgebauten Kastenwagen zur Verfügung
stehen", weiß sie. "Außerdem ist der Unterschrank des
Waschbeckens nicht für Hygienesachen nutzbar, weil dort die
Gasflaschen stehen. Es gibt zwar zwei Kleiderschränke, aber die
sind beide recht klein,. Bleiben noch die Sitzbank und der
Außenstauraum, aber auch der ist nicht so hoch, als dass er mehr
als zwei Stühle und einen Campingtisch aufnehmen könnte."
Besonders angetan ist Frau Schumacher von der Zweiersitzbank,
deren Sitzfläche sich in der Neigung verstellen lässt, und vom
Dachbett mit seiner durchgehenden Matratze, 148 Zentimeter
Liegebreite und 59 Zentimeter Höhe bis zur Dachschale. Zum Bett
führt übrigens nicht nur eine komfortable Leiter hinauf. Für
Akrobaten und Ungeduldige hat Claus Oltmanns auch einen aus dem
Küchenblock herausziehbaren Vierkant-Tritt montiert, über den
sie via Küchenblock schneller nach oben kommen.
Nach einem Scherz über das "Postauto" widmet sich unser
Elektroprofi Götz Locher mit angemessenem Ernst und gewohntem
Engagement den Innereien des Amigo. "Als erstes fällt mir auf,"
vermerkt er zufrieden, "dass nirgendwo eine elektrische Leitung
zu sehen ist. Die verstecken sich allesamt, gleichgültig, ob sie
zu Leuchten, Steckdosen oder Lautsprechern führen, in doppelten
Möbelböden oder in der Isolierung."
Lob von Locher bekommt CS auch für die Auswahl und Platzierung
der Leuchten. "Im Mobil herrscht eine angenehm gleichmäßige
Ausleuchtung", diktiert er uns aufs Band, "Küche und Sitzgruppe
haben gutes Arbeitslicht, und im Bad ist eine vernünftige,
ordnungsgemäß geschützte Leuchte angebracht." Logisch, dass ihm
auch auffällt, dass sich die beiden von unten in die Bettplatte
eingelassenen Spotleuchten mit einem Schalter seitlich am
Küchenblock bedienen lassen, den man auch "bei nächtlicher
Heimkehr ohne Taschenlampe oder Feuerzeug findet".
Auf der Habenseite bucht Locher auch das "Sehr gut platzierte,
mit Zeitschaltuhr für die Heizung ausgestattete Elektropanel",
die beiden seitlich in die Isolierung des Daches eingelassenen
Lautsprecher sowie die 230- und 12-Volt-Steckdosen über der
Küche, die er "für dieses kompakte Mobil als ausreichend"
erachtet.
Trotz all dieser Zufriedenheit macht er jedoch den Vorschlag, im
Staufach unter dem Kühlschrank die elektrischen Bausteine
Ladegerät, Sicherungen und Bordbatterie durch eine
herausnehmbare Trennwand vom restlichen Raum abzutrennen. "Dann
könnte man diesen Raum nämlich unbesorgt als Staufach, etwa für
Schuhe oder Putzzeug nutzen", kann er sich vorstellen, "die ohne
eine Trennwand in diesem Bereich Schaden anrichten könnten.
Auch unser Profi zur Begutachtung der Gas- und Wasseranlage ist
- mit einer Ausnahme - voll des Lobes für Oltmanns und seine
Mitarbeiter, nachdem er den 'Amigo ausreichend inspiziert hat.
"Der von innen zu beladende Gasflaschenkasten im Waschtisch ist
okay, die Gasleitungen sind mit gummiunterlegten Schellen sauber
verlegt, es gibt gute Armaturen, und Frisch- sowie Abwassertank
der Druckwasseranlage liegen im beheizten doppelten Boden."
Bedenken äußert er allerdings über die in 35 Zentimeter Höhe
über den Kocherflammen quer verlaufende Auflagetraverse des
Dachbettes. "Die Unterseite dieser Platte ist zwar mit einer
Aluplatte vor der aufsteigenden Hitze etwas geschützt", sieht er
ein, "aber man kann durch die eingeschränkte Höhe -
normalerweise geht man von mindestens 50 Zentimeter Abstand aus
- kaum in einem Topf herumrühren."
Trotz dieser Kritik zieht Ruthardt das überaus positive Resümee:
Dieses kleine Mobil hat alles, was man braucht. Besser kann man
das kaum machen."
Diese Zusammenfassung könnte auch hinter der Wertung stehen, die
sich mit dem Fahren des Amigo befasst. Der ergonomisch
erstklassig gestaltete Fahrerplatz, die gute Übersichtlichkeit,
das leichte Handling und die besonders im Winter äußerst
angenehme, wirksame Fahrerhausheizung spielen ihre Vorteile in
dem kurzen Kastenwagen besonders gut aus. Dazu kommen
extrabreite, mit Wohnstoff bezogene Komfortsitze, die allerdings
den Nachteil haben, dass sie sich nur bei geöffneten Türen
verstellen lassen, und eine Hinterachse, die sich mittels
Zusatzluftfeder der Firma Kuhn stets auf die tatsächliche
Beladung und damit Belastung einstellen lässt.
Als besonders angenehm empfinden wir den breiten Durchgang nach
hinten, der dadurch möglich ist, dass im Rücken von Fahrer und
Beifahrer keine Sitzbank, sondern der Esstisch platziert ist, an
den sich die beiden Fahrersitze bei Bedarf zur Vierersitzgruppe
herandrehen lassen.
Erstaunt stellen wir fest, dass selbst unser Zweimetermann in
der Redaktion bequem unter dem Dachhimmel Platz findet, der
wegen des tief montierten Dachbetts niedriger hängt als im
Serien-Sprinter.
Zusammenfassen erinnert der Amigo gleich mehrfach an das Gelbe
vom Ei. Äußerlich durch seine Form und seine Farbe. Mindestes
genauso intensiv aber innerlich; durch seine hinter der
unauffälligen, glatten Schale versteckten, pfiffigen
Detaillösungen.
Testergebnis |
| Wohnaufbau **** |
Wohnqualität **** |
Perfekte Anpassung des
SCA-Hochdachs an das Basisfahrzeug, fünf PU-Rahmenfenster,
Sinus-Schiebeluke, breite Dichtnaht am Dach. | Geschickte
Raumaufteilung, großes Dachbett, Vierersitzgruppe unter Einbeziehung
der Fahrerhaussitze, gleichmäßige Ausleuchtung. |
| Innenausbau **** |
Geräte/Installation **** |
Gut eingepasste Möbel,
eingenutete Bucheholzkanten, robuste Scharniere und Aufsteller,
Klemmriegel an Bett und Klapptisch | Saubere Gas- und
Wasserinstallation, Wasseranlage winterfest, Elektroleitungen in
Kanälen oder doppelten Böden, eingeschränkte Höhe über den
Kocherflammen |
| Fahrzeugtechnik ***** |
Preis/Leistung **** |
Kräftiger Motor, gutes
Handling, neutrales Fahrverhalten, Hinterachsfederung durch
Zusatz-Luftfeder einstellbar. | Kräftige Basis, guter
Innenausbau, komplette Ausstattung, 5 Jahre Dichheitsgarantie, zwei
Jahre auf Basisfahrzeug. |
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| CS MODELLE |
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MB Sprinter
VW T5
Peugeot Boxer
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| ANSICHTEN & INFO-MATERIAL |
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